ALTE SYNAGOGE. Café Bergson, Oświęcim
JEWISH TANGO
18. Mai 2024
Die Brücke zum Café Bergson/Jüdisches Museum Oshpitzin, einem Ort der Erinnerungskultur im Zentrum von Oświęcim/Auschwitz (https://oshpitzin.pl/en/o-muzeum/) bildete „Tango Kantor“: das Wissen um die Rolle, die die Shoah in Kantors Theaterarbeit spielte und das Empfinden, dass Tango darauf gleichermaßen einfühlsam und kraftvoll zu reagieren vermag. Die Einladung, für die Alte Synagoge (Chevra Lomdei Mishnayot Synagoge, 1913–18) von Oświęcim/Auschwitz eine Tango Performance zu entwickeln, stellte das Paar Leisch-Kiesl/Leisch vor eine zweifache Herausforderung. Zum eine galt es nun, in die Geschichte des Jüdischen bzw. Jiddisch Tango einzutauchen – eine schier unerschöpfliche Welt, die bis in die Anfänge des Tango in Argentinien um die Wende vom 19. Zum 20. Jahrhundert zurückreicht und bis in die Ghettos und die Lager führt, wo Tango weiterhin gespielt und darüber hinaus auch neue Stücke komponiert wurde/n – als eine Form des Widerstands. Zum anderen galt es, das dortige Publikum, die Bewohner:innen der Stadt sowie die Besucher:innen dieser Erinnerungsstätte, gewissermaßen „mitzunehmen“: Menschen mit einem hohen Sensorium und meist auch breiten Wissen um die Geschichte und Geschicke der polnischen Juden, aber keinerlei Erfahrung mit Tango Argentino, geschweige denn seiner Ausprägungen im Kontext der jüdischen Kultur – das eine oder andere Lied mochte bekannt sein.
Die Antwort von Monika Leisch-Kiesl und Joachim Leisch lautete: „Lasst uns mit einem Workshop beginnen; einem Workshop, bei dem wir nicht nur in die Geschichte und Ausprägungen des Jüdischen Tango einführen, sondern auch in dessen Musik und besondere Rhythmik. Erproben wir dessen Bewegung und lernen erste Schritte!“ Dies fand im Freien statt, am großen Platz vor der Synagoge, in unmittelbarer Nähe zur Mikwah (dem alten Brunnen).
Die Performance selbst wurde am Abend aufgeführt, nun in den Räumlichkeiten der Synagoge, in schwarzem Anzug und rotem Samtkleid. Konkret in dem unmittelbar neben dem noch weitgehend ursprünglich erhaltenen Gebetsraum gelegenen Vorraum, der heute zur Dokumentation des jüdischen Lebens vor dem Krieg genutzt wird. Der Tango brachte den Ort zum Schwingen, Stück für Stück, über eine Dauer von rund 40 Minuten. Es war sehr still im Raum, nur die Musik und das Schleifen der Schritte am Holzboden waren zu hören.