LANDESTHEATER Linz
Tanz International: Erinnerung und Gegenwart
28. Jänner 2024
Anlässlich der Premiere des Stücks Memoryhouse des polnischen Choreographen Maciej Kuźmiński im Schauspielhaus des Landestheaters Linz in der Saison 2023/24 wurden Leisch-Kiesl/Leisch von TANZ LINZ eingeladen, Where Are the Snows of Yesteryear (Warsaw 1984) (link Cricoteka-Präsentation) ein weiteres Mal aufzuführen. (link LTL_Foyer5_30ff) Drei Dinge waren neu gegenüber der Präsentation in der Cricoteka Kraków: Zunächst (1), die Performance fand auf der Bühne statt, was die Situation zwischen dem Paar und dem Publikum grundlegend veränderte; der Tanz erschien entrückt und in eine dunkle Aura getaucht. Dabei weckte das gewaltige Bühnenbild von Gabriela Neubauer unweigerlich Assoziationen an die Frühgeschichte und die griechische Mythologie – ein anfänglich fremder Kontext für Tadeusz Kantors Gdzie są niegdysiejsze śniegi. Zunächst wurde die Originalfassung von Kantors Stück auf eine die Bühne dominierende Röhre projiziert, was für den Großteil des Publikums eine Erstbegegnung mit der Bild- und Tonsprache Kantors bedeutete. Unmittelbar darauf folgte der Tanz zur selben Projektion, allerdings mit der Tonspur von Tango – zunächst entlang des Tunnels, dann, mit Kantor, in ihn hinein, um am Ende wieder vor ihm aufzutauchen. Sodann (2), im Anschuss an die Performance las der österreichische Schauspieler Christian Higer Auszüge aus den Schriften Kantors (in deutscher Übersetzung) – Texte, die ebenso wenig erklären wie die Stücke, vielmehr in ihrer sprachlichen Dichte eine aufschlussreiche Reflexionsebene für das Theater Kantors bieten. Schließlich (3) wurde Kantor hier einem österreichischen Publikum gezeigt (und dies, nach einer einzigen Inszenierung noch zu Lebzeiten in Wien 1987, nun zum zweiten Mal). Vor diesem Hintergrund führte Roma Janus, Leiterin von Tanz Linz, erstmals ein Gespräch mit der Tänzerin, die sich auch als Kunstwissenschaftlerin mit dem facettenreichen und vielschichtigen Œuvre Kantors befasst hat: „Wie kam es dazu, Tango mit dem Werk von Tadeusz Kantor zu verbinden?“ (link: Doku)