CRICOTEKA Kraków

TANGO OSOBISTE

27. August 2022

Tadeusz Kantor (1915–1990) ist zweifellos einer der renommiertesten und international bekanntesten polnischen Künstler:innen, der wie kaum ein Anderer die Geschicke Polens, besser gesagt Europas, der Nachkriegszeit ins Bild gebracht hat. ‚Zero-Theater‘, ‚Theater Informel‘, ‚Theater des Todes‘, ‚Das Unmögliche Theater‘ usw. sind Begriffe, die die chaotisch und verstörend wirkenden, dabei bis ins Detail durchgeplanten Collagen aus Musik und Lärm, verstreuten Gegenständen und Lichtinsenierungen, Mimik und Gestik, einzelnen Sätzen und Tanzelementen zu benennen suchen.

International bekannt wurde Tadeuzs Kantor insbesondere durch das von ihm 1955 begründete und über Jahrzehnte geleitete Cricot 2-Theater, eine in Krakau aktive Keimzelle jungen, avantgardistischen und kritischen Theaters. Deren bekanntestes Stück, Umarła klasa / Die tote Klasse (1975) wurde mehr als eintausendfünfhundert Mal in vielen Ländern aufgeführt und 1976 von der US-amerikanischen Newsweek als „die beste Theaterproduktion der Welt“ bezeichnet.

Im Rahmen der Ausstellung Osobiste. Kantor’s Theater Costumes (https://cricoteka.pl/en_us/private-kantors-theatrical-costumes/ ) antworteten die Linzer Monika Leisch-Kiesl und Joachim Leisch auf einen rund 10-minütigen Ausschnitt der Cricotage Where Are the Snows of Yesteryear (Warsaw 1984) (https://cricoteka.pl/en_us/where-are-the-snows-of-yesteryear-objects-and-archival-materials-from-the-cricoteka-collections/ ; https://cricoteka.pl/en_us/produkt/where-are-the-snows-of-yesteryear-tadeusz-kantors-mannequins-only-what-you-see-exists/ ) in Form einer situativ entwickelten Tango Argentino Performance. Dafür ersetzten sie die Original-Tonspur des Stücks durch gezielt ausgewählte Musik aus der Welt des Tango Argentino. Die Bewegungen der Schauspieler, die Inszenierung der Original-Kostüme von Kantors Theater, die Musik des Tango, der Solotanz und die gespannte Haltung des Publikums verbanden sich zu einer musikalisch pointierten und gleichwohl ernsten Assemblage – ein „Tanz auf den Gräbern“, so der Kommentar des ebenfalls anwesenden Künstlers Marek Chlanda.